Gedanken zum Pfingstfest


Liebe Schüler und Schülerinnen, liebe Eltern!

Nächste Woche ist Pfingsten !

Für viele ist Pfingsten nicht mehr als ein langes Wochenende bzw. Ferien, die in der vergleichsweise günstigen Nebensaison liegen. Dabei ist Pfingsten viel mehr! Pfingsten hat für gläubige Christen und Christinnen eine große Bedeutung und gilt als wichtiges Fest, das wie Weihnachten und Ostern sogar mit zwei gesetzlichen Feiertagen gewürdigt wird.

Allerdings: nur etwas mehr als die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) kennt nach eigenen Angaben die Bedeutung des Pfingstfestes. Wie eine Emnid-Umfrage für „Bild am Sonntag“ ergab, wissen dagegen 49 Prozent nicht, dass an Pfingstsonntag und Pfingstmontag der „Ausgießung des Heiligen Geistes“ und der Gründung der Kirche gedacht wird.

 

 

Was also ist „Pfingsten“?

 

In der Bibel (Apostelgeschichte) steht: „Als das Pfingstfest gekommen war, waren die Jünger alle an einem Ort versammelt. Da kam plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen (…) und sie wurden alle mit dem heiligen Geist erfüllt und fingen an, in andern Sprachen zu predigen, wie der Geist es ihnen eingab. (…) Als nun dies Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber: ( …) Wieso hört jeder von uns seine eigene Muttersprache? 

Da trat Petrus mit den elf Aposteln vor, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: (…) Hört, was ich euch zu sagen habe. (…) hier geschieht, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: „Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alle Menschen.“ (Apg. 2, 1-17) .

 

Was geschah am Pfingstfest?

 

In der Pfingstgeschichte wird von einem „gewaltigen Sturm“ berichtet. Wir sprechen davon, dass wir jemanden „bestürmen“ oder jemanden „im Sturm“ erobern. Alles Ausdrucksformen für eine ungeheure Dynamik, für etwas, das uns aufrüttelt, das uns hinreißt, das uns bewegt. Außerdem heißt es in der Pfingstgeschichte: „Und sie wurden alle mit dem heiligen Geist erfüllt.“ Hier geht es um etwas, das uns „erfüllt“, uns mitnimmt. Und schließlich hörte jede und jeder die Gute Nachricht in seiner bzw. ihrer „eigenen Muttersprache“, sie alle verstanden, worauf es wirklich ankam, es gab nichts Trennendes mehr, keine Grenzen untereinander.

 

Das alles ist Pfingsten.

 

Wenn „Pfingsten geschieht“, dann werden wir Menschen „aufgerüttelt“, wir werden „erfüllt“. Wir werden eins sein, nicht mehr getrennt durch verschiedene Sprachen, durch verschiedene Ideologien. Wir werden uns wieder verstehen, weil wir von einer Sprache erfüllt sein werden, die die wahre Sprache ist, die alle Menschen verstehen: Die Sprache der Liebe, der Hoffnung, des Vertrauens, der Vergebung.

Das war es ja, was Jesus seine Jünger gelehrt hatte. – Aber sie waren dabei, all das zu vergessen. Ängstlich und mutlos waren sie nach dem Kreuzestod Jesu – als ob es die Zeit mit ihm nicht gegeben hätte. Doch dann erlebten sie es, dass die Wirkung der Worte und Taten Jesu sie einholte, sie ergriff, sie packte und sie gingen nach draußen, erzählten davon. Und viele, die sie hörten, überwanden ihre Mutlosigkeit und ihre Hoffnungslosigkeit, sie ließen sich von der Botschaft Jesu aufrütteln, ließen sich davon begeistern und „inspirieren“, im wahrsten Sinn des Wortes. Das ist Pfingsten und das ist der Ursprung der Kirche: eine Bewegung über Sprach- und Verständigungsgrenzen hinweg, eine Bewegung gegen Hoffnungs- und Mutlosigkeit, eine erfüllende und aufrüttelnde Bewegung.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien, dass Sie trotz Corona- Ukraine- und Klimakrise nicht ängstlich und mutlos werden, sondern die Kraft von Pfingsten spüren, sich ergreifen, „inspirieren“ und „begeistern“ lassen und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Frohe Pfingsten und erholsame Ferien.

Stephanie Bloch-Klein, ev. Schulseelsorgerin, Pfingsten 2022.

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